Heute möchte ich euch meine Geschichte mit den Schicksalsboten erzählen. Lest sie zu Ende, erzählt uns eure Geschichte in ein paar Sätzen und es erwartet euch ein tolles Gewinnspiel!
Viel Spaß!!
Für ein Kind ist alles ganz einfach.
Ihr Weg wird im Wesentlichen von den Eltern vorbestimmt. Zwar wird es
in späteren Jahren die eine oder andere Abzweigung nehmen, die nicht
in der Intention der Eltern lag, aber es wird immer auf dem bauen,
was ihm zu Beginn des Lebens mitgegeben wurde. So manches Mal greift
das Schicksal aber schon in diesem frühen Stadium entscheidend ein.
Ich weiß nicht, ob Schicksalsboten dabei eine Rolle gespielt haben,
dass ich nicht bei meinen Eltern aufwachsen konnte. Womöglich haben
sie auch in der Situation dafür gesorgt, dass sich Pflegeeltern
stattdessen so liebevoll um mich gekümmert haben. Ganz gewiss hatten
sie aber ihre Hände im Spiel, als meine Schwester sich entschloss,
nach mir zu suchen.
Ich war gerade fünfzehn und wusste
nur, dass ich eine Schwester hatte. Wir waren uns nie begegnet. Es
gab viele Momente, in denen ich mich danach sehnte, sie einmal zu
treffen, mit ihr zu sprechen. Wie würde sie sein? War sie der
Mensch, mit dem ich mein Schicksal teilen und mit dem ich darüber
sprechen konnte? Ob nun durch Schicksalsboten oder durch die Magie
der geschwisterlichen Verbindung bleibt unbekannt, aber genau zu
diesem Zeitpunkt hatte sie begonnen, nach mir zu forschen. Vielleicht
saßen Schicksalsboten zu diesem Zeitpunkt im Jugendamt, denn dieses
und unser Opa half ihr, mich ausfindig zu machen.
Die zuständige Sachbearbeiterin rief
bei meinen Pflegeeltern an und sprach mit meiner Pflegemutter und
erklärte ihr alles. Sie kam auf mein Zimmer, da ich krank war und
teilte mir mit, dass die Frau vom Jugendamt angerufen hätte und
meine Schwester sich gemeldet hätte und mich gerne kennenlernen
würde. Ich wusste erst mal gar nicht was ich sagen sollte, aber ich
war zum einen sehr erfreut, andererseits hatte ich auch Angst. Angst
davor, wie meine Schwester wohl sein würde, wie es weitergehen wird
und vor allem hatte ich davor Angst, dass meine leiblichen Eltern was
mitbekommen und mich zurück zu sich holen würden. Was ich auf
keinen Fall wollte.
So besprach ich dies mit meinen
Pflegeeltern und erklärte ihnen meine Gefühle und Ängste. Sie
sagten mir dass sie voll hinter mir stünden.
Ich rief das Jugendamt zurück und
sagte ihnen, dass es ok wäre, wenn sie mit mir Kontakt aufnimmt,
allerdings nur unter der Bedingung, dass unsere Eltern davon nichts
erfahren.
Es vergingen ein paar Tage als ein
Brief von ihr im Briefkasten lag. Mit zitternden Händen öffnete ich
den Umschlag und las den Brief. Sie erzählte mir von sich und was
damals alles geschehen ist und warum ich zu Pflegeeltern kam. Sofort
schrieb ich ihr zurück und rannte jeden Tag voller Sehnsucht an den
Briefkasten in der Hoffnung es wäre wieder ein Brief drin.
Wir schrieben uns eine Zeit lang und
fingen auch an zu telefonieren und ich beschloss mit meinen
Pflegeeltern zusammen sie einzuladen. Sie sagte zu und wir fanden ein
Wochenende wo passte.
Das Wochenende rückte näher und ich
war super nervös. Sie schrieb mir immer wieder wo sie war und wann
sie ungefähr ankommen würde. Voller Erwartungen stand ich am
Fenster als sie auf der anderen Straßenseite parkte. Mein Herz fing
an zu flattern, mir wurde schlecht und meine Hände waren schweiß
nass.
Sie stieg aus und wir öffneten ihr die
Tür und empfingen sie, jeder mit einer roten Rose in der Hand. Wir
hatten sofort das Gefühl uns schon jahrelang zu kennen und führten
an diesem Wochenende sehr lange Gespräche. Ich war sehr traurig als
das Wochenende so schnell vorbei war. Seit dem Schreiben,
Telefonieren oder besuchen wir uns regelmäßig und ich habe auch
meinen Opa und meine Eltern in der Zwischenzeit kennen gelernt.
Dieses erste Treffen mit ihr und dass
wir uns von nun an hatten, war bestimmend für mein ganzes Leben
danach. Die Schicksalsboten, die daran beteiligt waren, sind gemäß
ihrer Aufgabe immer unsichtbar geblieben, aber ich bin ihnen von
Herzen dankbar.
Auch wenn die Schicksalsboten in Vera
Nentwichs Rausgekickt-Romanen nicht immer Sympathieträger sind, so
schaffen sie es dennoch, bewusst oder unbewusst, das Leben vieler
Menschen zum besseren zu führen. Sicher kennt ihr auch diese kleinen
oder großen Ereignisse, die euer Leben letztlich bereichert haben.
Vielleicht ist euch dies erst Jahre später bewusst geworden.
