Montag, 14. Oktober 2013

**Interview** mit Vera Nentwich

Interview mit Vera Nentwich


Vera Nentwich, Foto: Privat von Vera Nentwich

Kurzer Steckbrief:

Name: Vera Nentwich
Geburtsjahr: 1959
Wohnort: Willich
bisher veröffentlichte Werke:
- Wunschleben (20. Dezember 2012) ASIN: B00AWLPW64
- Rausgekickt: Weiße Sterne (9. Juni 2013) ISBN: 978-1481978163
- Rausgekickt: Blaue Vögel (31. August                                                                        2013) ISBN: 978-1492317562




10 Fragen an die Autorin:


1. Würdest du dich bitte noch kurz für meine Blogleser vorstellen?

Meine Name ist Vera Nentwich, ich bin Jahrgang 1959 und Sternzeichen Krebs, ein typischer Krebs, wie es Expertinnen in meinem Umfeld behaupten. Manche Menschen bezeichnen meinen Lebensweg als bewegt. Man selbst sieht dies ja gelegentlich anders. Ich bezeichne mich gern als Frau mit männlichem Migrationshintergrund, weil ich ursprünglich mal als Junge auf die Welt gekommen bin. Es hat eine Zeit gedauert, bis ich mich und die Umwelt davon überzeugt hatte, dass es ein Irrtum war. Bis dahin hatte ich einige klassische Schritte bereits hinter mir. Eine Ausbildung, Studium der Verfahrenstechnik, dann ein erster Geschäftsversuch im Direktvertrieb, Einstieg in die IT-Branche und die erneute Selbstständigkeit. Vor zwanzig Jahren startete dann das wirkliche Leben. Ich begann, meine Kreativität auszuleben. Sei es in diversen Theaterprojekten, beim Singen, Gitarre spielen, Songs basteln oder natürlich dem Schreiben.


2. Wie bist du zum Schreiben gekommen?

Ich schreibe, solange ich denken kann. In der Schule bekam ich eine Fünf in Deutsch wegen zu viel Fantasie. Die Aufforderung, doch mal mehr zu schreiben als Kurzgeschichten oder Kolumnen, wurde an mich schon lange herangetragen. Es gab auch immer mal wieder Versuche, die nie zum Ende gekommen waren. Ich habe über sechs Jahre eine regelmäßige Kolumne geschrieben und viele der Leser forderten mich immer wieder auf, mehr zu schreiben. Vor drei Jahren gelang es mir, einen Ansatz zu finden, der mich nicht gleich an der Komplexität eines Buchprojektes scheitern lies. Der Bann war gebrochen und nun kann ich nicht sein, ohne dass ich nicht wieder an irgendeinem Projekt arbeiten würde.


3. Woher nimmst du deine Inspiration?

Von den Menschen. Ich liebe es, Menschen zu beobachten. Ich sitze gerne in einem Café in der Stadt und beobachte. Wenn mir Verhaltensweisen auffallen, dann überlege ich gleich, was dieser Person wohl geschehen könnte und wie sie darauf reagieren würde. Daraus entstehen dann die Ideen.


4. Gibt es ein besonderes Ritual beim Schreiben?

Ich schreibe am liebsten am Morgen. An den Arbeitstagen stehe ich eher auf und schreibe eine Stunde, bevor ich ins Büro gehe. Am Wochenende fahre ich zumeist in mein Lieblingsfrühstücksbistro und schreibe dort. (siehe http://www.coni.de/coni/vera/VeraBlog.nsf/dx/mein-schreibplatz.htm ) Ich mag es, wenn Leben um mich herum ist, während ich schreibe.


5. Was machst du, wenn du nicht mehr weiterkommst beim Schreiben?

Dass ich nicht weiterkomme beim Schreiben, kommt eigentlich kaum noch vor, nachdem ich gelernt habe, mich immer nur auf die aktuelle Szene zu konzentrieren. Früher wollte ich immer gleich das ganze Buch im Blick haben und das hat mich total gelähmt. Jetzt habe ich zwar zuerst einen groben Plot, eine Prämisse und ein Stufendiagramm, das in etwa den Spannungsbogen beschreibt, aber wenn ich schreibe, denke ich da nicht sehr daran, sondern schaue immer, was meine Figur just in diesem Moment an diesem Ort tut. Dadurch komme ich immer irgendwie weiter. Wenn es blöde ist, kann ich es ja danach wieder löschen. :-)


6. Nachdem ich das Buch nun gelesen habe, frage ich mich durch was bzw. wie du auf die Geschichte mit den Schicksalsboten gekommen bist.

Ich bin auf die Geschichte gekommen, als ich es einmal eilig hatte und mit meinem Auto viel zu schnell die Landstraße entlang fuhr. Plötzlich bog vor mir ein Traktor auf die Straße ein. Ich musste bremsen und hinter diesem Traktor herzockeln. Ich dachte mir in dem Moment, dass dies vielleicht ein Zeichen des Schicksals war, nicht so zu hetzen, sondern es gelassener anzugehen. Der Gedanke gefiel mir und ich überlegte, während ich so hinter dem Traktor fuhr, dass dann der Fahrer ein Schicksalsbote sein müsste. Allerdings wäre das dann ein richtiger Scheißjob, denn wie oft hatte ich schon so einen Traktor fluchend überholt und keinen Gedanken an das Schicksal verloren. Also müssten diese Schicksalsboten ziemlich frustriert sein. Vielleicht würden sie sich dann einfach mal an so einem nervigen Menschlein rächen wollen. Das war die Grundidee zu "Rausgekickt: Weiße Sterne".


7. Zudem weiß ich nicht so recht, wie ich mir die Schicksalsboten vorstellen muss. Das Aussehen muss ja definitiv ein Mensch sein. Aber irgendwie noch ein bisschen "Engel" mit drin oder so??

In meiner Vorstellung haben sind die Schicksalsboten nicht genau beschreibbar, weil sie einfach niemandem wirklich auffallen. Man vergisst sie sofort wieder. Kennst Du wahrscheinlich, wenn Du mal über die Einkaufsstraße der Stadt gelaufen bist. Du siehst Unmengen von Menschen, aber kannst Du Dich da an jeden erinnern?
Engel sind sie aber definitiv nicht.


8. Wie lange hast du circa an dem Buch geschrieben?

Mit dem Buch habe ich im Januar begonnen und im September ist es dann herausgekommen. Ist also noch überschaubar.


9. Das Buch läuft ja nicht über einen Verlag. Du hast es in Amerika drucken lassen. Wie bist du zu dieser Entscheidung gelangt, es ohne Verlag zu probieren?

Foto: Privat von Vera Nentwich
Ich habe es über Amazon CreateSpace veröffentlicht. Die drucken die Autorenbestellungen in den USA. Bestellungen von Kunden werden in Leipzig gedruckt. Es ist ja nicht so einfach, einen Verlag zu finden. Ich hatte es mit meinem ersten Buch "Wunschleben" vergeblich versucht. Parallel habe ich im Web viel zu den Möglichkeiten im Self-Publishing gelesen und fand es sehr interessant, weil es mir die Freiheit bot, einfach alles, was ich mochte, auszuprobieren und meine Erfahrungen zu sammeln. Also entschloss ich mich, es einmal zu versuchen. Es hat dann sehr an Dynamik gewonnen. Es macht mir einfach großen Spaß, mit den Leserinnen und Lesern zu interagieren, zu bloggen, die Social Media Kanäle zu bespielen und meine Ideen umzusetzen, wie ich es mag. Mein erster Wunsch, einen Verlag zu finden, ist dadurch in den Hintergrund geraten. Zuerst hatte ich auch nur an einen Versuch als eBook gedacht, aber dann kamen immer mehr Anfragen, ob es auch als klassisches Buch verfügbar wäre. So bin ich dann auf die Möglichkeiten durch CreateSpace gestoßen. Ich arbeite gerade an einem Krimiprojekt (siehe http://www.coni.de/coni/vera/VeraBlog.nsf/dx/buchprojekt.htm ). Vielleicht werde ich das einem Verlag anbieten. Mal sehen.


10. Welche Bücher liest du selber, wenn du Zeit und Lust dazu hast?


Vera bei einer Lesung, Foto: Rolf van Melis
Zumeist stöbere ich durch den Buchladen und lasse mich einfach anspringen. Es gibt ein paar Serien, die ich gerne gelesen habe. Janet Evanovich mit ihrer Stephanie Plum Serie zum Beispiel. Allerdings haben mir die letzten Bücher da nicht mehr so gefallen. Sue Grafton und ihre Kinsey Milhone Serie habe ich gerne gelesen. Ich muss mal sehen, ob es da was Neues gibt. Allerdings bin ich keine typische Krimileserin. Mich interessiert immer mehr die Hauptfigur als der Fall. Ich mag Stoffe, in die ich mich hineinversetzen kann. Historische Geschichten oder Fantasy sind daher nicht so mein Fall. Die Sachen von David Safier finde ich ganz amüsant. Ich glaube, wir teilen die Vorliebe für überdrehte Anfangsideen. Allerdings bin ich bei Safier zumeist von den Enden enttäuscht. Es gibt ein paar Bücher, die ich fast regelmäßig alle paar Jahre lese. „Girl“ von David Thomas gehört dazu und „Ein Sommer in Sidney“ von Madeleine St. John. Wenn ich selbst gerade mitten in einem Projekt stecke, kann ich zudem nicht viel lesen, weil ich das Gelesene ständig mit mir und meinem Projekt vergleiche.





Ein großer Dank an Vera Nentwich für das Interview und den tollen Kontakt. Es hat mir viel Spaß gemacht und ich freue mich schon sehr auf weitere Werke von dir!