Sonntag, 20. Juli 2014

**Interview** mit Thomas Bauer

Interview mit Thomas Bauer


Kurzer Steckbrief:



Thomas Bauer, Copyright by Thomas Bauer
Name: Thomas Bauer
Geburtsjahr: 1976
Wohnort: München
Homepage: Literaturnest
bisher veröffentlichte Werke:
- Wo die Puszta den Himmel berührt - Auf Umwegen durch Ungarn (2007, ISBN: 978-3776625127)
- 2500 Kilometer zu Fuß durch Europa - Auf Jakobswegen vom Bodensee zum "Ende der Welt" (2008, ISBN: 978-3937101866)
- Nurbu - Im Reich der Schneeleoparden: Auf Spurensuche im Himalaya (2012, ISBN: 978-3942063890)
- Frankreich erfahren: Eine Umrundung per Postrad (2012, ISBN: 978-3931989736)
- Mush! Grönland per Hundeschlitten (2013, ISBN: 978-3943528800)
- Ostwärts: Zweitausend Kilometer Donau - Mit dem Paddelboot zum Schwarzen Meer (2013, ISBN: 978-3940756008)
- Die Gesichter Südamerikas: Eine Abenteuerreise durch Argentinien, Chile, Bolivien, Peru und Kolumbien (2013, ISBN: 978-3940756459)
- Indien, wie wir es sehen (2014, ISBN: 978-3931989842)
- Australien, wie wir es sehen (2014, ISBN: 978-3931989859)
- Vientiane - Singapur: Per Rikscha durch Südostasien (2014, ISBN: 978-3898415132)
- Frankreich, wie wir es sehen (2014, ISBN: 978-3931989866)
- Möge Allah dir Flügel verleihen - Per Liegerad durch die Türkei (2014, ISBN: 978-3931989897) --> Meine Rezension findet ihr hier


Fragen an den Autor:

1. Du hast ja schon einige abenteuerliche Reisen unternommen. Zuletzt warst du mit dem Liegerad in der Türkei. Und es war deine letzte Reise. Was hast du nun vor? 

Stimmt, ich war bereits zu Fuß, per Kajak, Fahrradrikscha, Postrad und jetzt per Liegerad unterwegs. Ein paar Reisen werden aber schon noch folgen, ich kann es einfach nicht lassen! Jetzt, da ich Vater geworden bin, werden sie sich wohl etwas ändern: Die Zeiten, in denen ich mich auf einen Sechstausender geschleppt oder per Paddelboot im Hochwasser unterwegs war, sind erstmal vorbei.
 

Wasserfälle bei Sucre, Copyright by Thomas Bauer
2. Hast du nicht Sehnsucht nach solchen Reisen?

Die habe ich auf jeden Fall; darum plane ich gewöhnlich, sobald ich von einer Reise nach Hause komme, bereits die nächste. Vielleicht wird mein Sohn mich bald auf einer solchen Reise begleiten können. Noch ist er mit seinen 7 Monaten dafür ein bisschen zu jung ...
 

3. Wie lange hast du eine solche Reise geplant? Wie gehst du dabei vor?

Ich bin, ehrlich gesagt, recht naiv, was meine Reiseplanung betrifft. Natürlich lese ich im Vorfeld einer Abenteuerreise Bücher über die betreffende Weltregion - vor allem Romane und Geschichten, die mir meistens mehr über ein Land erzählen als Reiseführer. Anschließend suche ich mir ein möglichst außergewöhnliches Gefährt, z.B. ein Postrad oder einen Hundeschlitten, plane aber ansonsten nicht jeden Tag durch. Vor Ort will ich offen bleiben und den Umständen die Chance lassen, mich zu überraschen. Und ich habe auf vielen Reisen gemerkt, dass sich die besten Begegnungen oftmals ergeben, wenn man vom Weg abkommt und auf Hilfe angewiesen ist. Ich reise meistens allein, um wirklich in eine fremde Kultur eintauchen und fremde Menschen treffen zu können. 
 

4. Was wurde nach der Türkeireise aus Liegerad "Garfield"?

Mit Liegerad "Garfield" vor Antalya
"Garfield" war die Leihgabe einer tschechischen Firma, daher musste ich ihn am Ende meiner Reise abgeben. Konkret bedeutete das, dass ich ihn per Post in ein tschechischen Dörfchen schickte. Und versuchen Sie mal einem kaum Deutsch oder Englisch sprechenden Angestellten im Postamt von Antakya zu erklären, was ein Liegerad ist, wie dessen Einzelteile in diversen Kartons verteilt werden sollen - und wo eigentlich dieses Tschechien liegt! Das war vielleicht eine noch größere Herausforderung für mich als die gesamte Liegeradtour ...
 

5. Wie kommt man dazu, fremde Länder mit unterschiedlichen Vehikels zu erkunden? Oder gar zu Fuß?

Copyright by Thomas Bauer
Auf meinen Reisen habe ich gemerkt, dass ich sehr schnell in Kontakt mit den Menschen vor Ort komme, wenn ich auf ungewöhnliche Weise unterwegs bin. Wer zweitausend Kilometer in einem Paddelboot hinter sich hat, wird gerne zum Schwätzchen oder auch zum Abendessen eingeladen. Das kam mir auf meinen Reisen natürlich entgegen. Auf der anderen Seite hatte ich das Gefühl, meinen Gastgebern etwas anbieten zu können: Ich hatte eine Geschichte zu erzählen. Sie waren neugierig auf den Gast, wollten wissen, was ich in ihrem Land erlebt hatte - und die Frage, warum um alles in der Welt ich auf einem Liegerad, in einem Kajak oder sonstwie unterwegs war, diente sehr oft als "Türöffner" und ermöglichte mir viele Begegnungen mit spannenden Menschen, die ich ansonsten wohl nicht getroffen hätte. In meinen Büchern erzähle ich immer auch die Geschichten derer, auf die ich unterwegs gestoßen bin.
 

6. Wie waren deine Erwartungen vor der Türkeireise?

Um ehrlich zu sein bin ich von mehreren Bekannten gewarnt worden: Klauen die da nicht? Sprengt da nicht die PKK regelmäßig Gebäude ich die Luft? Fahren die Leute nicht wie der Henker, würden nicht gleich am ersten Tag Lastwagen mich und mein kleines Liegerad zermalmen? Vor meiner Grönlandreise oder vor meiner Bergsteigertour im Himalaya hatte ich Derartiges nie gehört. Im Unterschied dazu meinen die Leute, die Türkei zu kennen. Schließlich waren sie schon mal in Antalya ... Ich habe schnell gemerkt, dass mich die Warnungen nur noch anstachelten, das Land per Liegerad auf eigene Faust zu erkunden.
 

7. Wie haben sich die Erwartungen geändert jetzt so im Rückblick auf die Reise?

All die Befürchtungen, die ich hatte, haben sich am ersten Tag meiner Reise in Luft aufgelöst! Ich durfte durch ein angenehmes Reiseland mit überbordender Gastfreundschaft fahren, wurde mehrmals täglich zum Tee eingeladen und hatte grundsätzlich die Sicherheit, dass, wenn ich wirklich Hilfe brauchen sollte, man mir diese nicht verweigert würde. Daher wurde es eine sehr schöne Reise.
 

8. Gibt es eine Reise die dir am besten gefallen hat? Oder sind es einzelne Höhepunkte der Reise die du nie vergessen wirst?

Copyright by Thomas Bauer
Es sind die einzelnen Höhepunkte: Was im Gedächtnis bleibt, sind weniger die Sehenswürdigkeiten, und auch keine Rekorde der Art "Heute habe ich mal wieder 200 Kilometer auf dem Postrad geschafft". Es sind die Begegnungen mit den Menschen vor Ort, die spontanen Reisebegleitungen, das Kinderlachen in Laos, die abendlichen Gespräche am Rand der Donau in Ungarn, der Gruß eines Bettlers in Peru und vieles, vieles, vieles mehr, das sich zu einem lebendigen Mosaik formt. So habe ich die Welt kennengelernt - bunt, lebendig und ein bisschen chaotisch - und das wird mir immer bleiben.



Ein paar Daten der Türkeireise:

- Route:
etwa 1500 Kilometer von Izmir durch die Agäis, Lykien, die "türkische Riviera", Kilikien, die Cucurova und das Hatay bis nach Antakya
- Liegerad:
"Garfield" ist ein knapp 20 Kilogramm schweres Tricon-Liegerad aus Aluminium des tschechischen Anbieters AZUB. 
- Kosten:
in der Nebensaison (Thomas Bauer war im November unterwegs) inklusive Flug ca. 2.000 Euro für 4 Wochen

Vielen lieben Dank an Thomas Bauer für das tolle und interessante Interview und den netten Kontakt. Es hat mir sehr viel Spaß gemacht und wünsche ihm weiterhin alles Gute und weitere abenteuerliche Reisen!